Technologie

Fehler beim PC-Bau vermeiden

Ob im Umgang mit Single-Core- oder Multi-Core-Systemen – es besteht stets die Möglichkeit, durch einfache Fehler beim Zusammenbau irreparable Schäden zu verursachen. Dieser Artikel erklärt anhand eines Home-Computers, wo genau die typischen Fehlerquellen liegen und wie man sie vermeiden kann.

Budget und Kompatibilität

Vor dem Zusammenbau und selbst vor dem Kauf der Komponenten müssen einige Fragen geklärt sein: Welchen Zweck soll das System erfüllen? Welchen Anforderungen muss es mindestens genügen? Wie aktuell soll das System sein, sprich wann muss ich zukunftig auf- oder nachrüsten? Wie hoch ist mein Budget und reicht es auch wirklich?

Am Beispiel eines Mittelklasse-Rechners für zuhause kann schon ein Budget von 400 € ausreichen, um sowohl Multifunktionalität zu gewährleisten und darüber hinaus genügend Modularität zu ermöglichen. Typischerweise greift hierbei eine grobe 50:50-Regel, die besagt, dass etwa die Hälfte des Budgets in Prozessor und Grafikkarte fließen sollten. Der Preis der einzelnen Komponenten steigt fast exponentiell, je höherklassiger diese sind. 100 € für je GPU und CPU reichen für ein System, welches vorrangig für Büroarbeiten und ähnlichem eingesetzt wird. Für einen Gaming-PC oder einen Rendering-Rechner für Videoproduktion müssen sowohl CPU als auch GPU deutlich stärker sein.

Doch kein Prozessor funktioniert ohne Mainboard und hier fängt die Frage der Kompatibilität an, denn Mainboard und Prozessoren müssen zueinander passen, ebenso Mainboard und Gehäuse. Damit die Auswahl hier einfacher ist, sind die Gehäuse verschiedener Hersteller genormt. Die typischen Formfaktoren lauten ATX, Micro-ATX und Mini-STX. Sowohl Mainboards als auch Gehäuse haben jeweils diese Kennzeichnungen bzw. Kompatibilitätsangaben. Auch der Chipsatz im Mainboard sowie das BIOS muss mit der CPU übereinstimmen.

Desweiteren arbeitet jedes Mainboard mit einem Chipsatz, welcher den Prozessortyp unterstützen muss. Über den Chipsatz hinaus exisitieren verschiedene Sockel für CPUs auf Mainboards. Diese unterscheiden sich je nach Hersteller und CPU-Typ. Aktuelle Sockel die hierbei zum Einsatz kommen, sind LGA 1151 für Intel-Prozessoren und AM4 für AMD CPUs.

Zusammenstellung und Komposition

Wenn geklärt ist, was die Maschine leisten soll und wie hoch das dafür benötigte Budget ist, müssen die Einzelteile bestellt werden. Ein typischer PC besteht aus folgenden Komponenten: CPU, CPU-Kühler, Mainboard, Arbeitsspeicher, Datenspeicher (Festplatten), GPU, einem Gehäuse und natürlich einem Netzteil plus Kabel, dass das gesamte System mit Strom versorgt. Darüber hinaus wird für gewöhnlich Zubehör benötigt: Gehäuselüfter (falls nicht schon fest eingebaut), Anschlusskabel zur Verbindung der Komponenten mit dem Mainboard und Wärmeableitpaste/Thermopaste, damit Kühler und metallische Kühlrippen lückenlos mit den zu kühlenden Komponenten verbunden werden können.

Ein optisches Laufwerk für CDs und DVDs ist in Zeiten der Digitalisierung fast schon obsolet, jedoch kann dies einfach und unkompliziert hinzugefügt werden. Weitere Peripherie umfasst Monitore, Maus & Tastatur, Lautsprecher, Headsets oder Webcams. Natürlich braucht ein neuer Rechner auch ein Betriebssystem. Heruntergebrochen auf diese Einzelteile wirkt der Selbstbau längst nichtmehr so schwierig. Letztendlich entscheidet die richtige Komposition aller Komponenten, wie gut das System seinen Anforderungen gerecht wird. Tools wie der PC Part Picker können dabei helfen, die richtige Mischung zu finden, Preise zu vergleichen und vor allem auch die Kompositionen anderer Nutzer als Referenz heranzuziehen. Vergleichen lohnt sich und erspart einiges an Recherche!

Ein paar Tipps für ein lange haltendes System, das für die Zukunft gewappnet ist: Intel hat dieses Jahr die neue Generation von Prozessoren herausgebracht. Sie nennt sich „Comet Lake“ und die CPUs haben bis zu 10 Kerne und erreichen eine Taktgeschwindigkeit von über 5 GHz. Der dazugehörende Mainboard-Sockel ist LGA 1200 wird hierfür benötigt. Moderne Mainboards unterstützen außerdem SSD-Festplatten mit besonders hohen Schreib- und Lesegschwindigkeiten, die direkt und ohne Kabel an das Mainboard angeschlossen werden. M.2-SSDs sind besonders gut dafür geeignet, als Boot-Laufwerk zu fungieren, man installiert also das Betriebssystem auf diesen und gibt im BIOS an, dass es zuerst gelesen werden soll. So fährt das neue System in nur wenigen Sekunden hoch!

Der Zusammenbau

Nachdem alle Teile geliefert wurden und man zwei oder auch drei Mal die Kompatibilität überprüft hat, folgt der wohl sensibelste Schritt: Der Zusammenbau. Sowohl das richtige Werkzeug wird benötigt als auch eine geeignete Umgebung. Ein Profi-Tipp: Antistatische Matten und Armbänder. Die Armbänder, auch Handgelenkerdungsbänder genannt, haben ein langes Kabel mit einer Klemme, die an ein geerdetes Metallteil oder an einen Erdungspunkt angeschlossen wird. Es verhindert, dass wir uns elektrostatisch aufladen (z.B. beim Laufen über einen Teppichboden), wodurch es zu gefährlichen Entladungen kommen kann. Gefährlich sind sie dabei nicht für uns, sondern für unsere PC-Komponenten. Besonders die Platinen sind sehr anfällig, weshalb sich ein solches Armband für wenige Euros schon lohnen kann.

Nachdem der Arbeitsplatz sicher eingerichtet ist, geht es an das Eingemachte. Aber Vorsicht: Erst Lesen, dann Schrauben! Mittlerweile haben wir den Luxus, dass praktisch jedes Einzelteil mit einer Einbauanleitung geliefert wird, die einiges erleichtert und weitere nützliche Tipps bietet, etwa in welcher Reihenfolge die Schrauben am besten zu befestigen sind. Apropos Reihenfolge: Diese sollte auch beachtet werden! So kann das Mainboard schon mit den meisten Komponenten bestückt werden, bevor es in das Gehäuse eingebaut wird.

Zuallererst sollte der Prozessor aufgesetzt werden, da dieser gleichzeitig das empfindlichste Teil ist. Auf seiner Unterseite befinden sich viele kleine Metallpins, die sich leicht verbiegen lassen. Übrigens sind nicht alle Pins von Bedeutung, jedoch sollte man hierbei nicht auf Risiko gehen. Genau deshalb achte man auf die Kompatibilität des Mainboard-Sockels und des ausgewählten Prozessors. Auch der Kühler für die CPU sollte jetzt schon aufgesetzt werden, dabei darauf achten, dass die Arbeitsspeicher-Sticks noch passen, denn diese müssen eventuell vor dem Kühler eingesetzt werden. CPU-Kühler liegen direkt auf der Oberseite des Prozessors auf und eine Wärmeleitpaste schließt die Lücken.

Häufig kommen entweder die Prozessoren oder die Kühler bereits mit einer Schicht dieser Paste und in dem Fall sollte auf keinen Fall noch eine weitere Schicht aufgetragen werden. Entweder die mitgelieferte Paste verwenden, oder diese entfernen und neue auftragen! Stärkere Grafikkarten mit eigenen Kühlern sind oft schwer und sollten erst eingesetzt werden, nachdem das Mainboard im Gehäuse steckt, damit dieses zusätzlichen Halt durch die Führungsschienen an der Rückseite bieten kann. Nachdem das Mainboard „steckt“, können die weiteren Komponenten angeschlossen werden. Festplatten finden Stauraum im Gehäuse und werden per Kabel angeschlossen, einzelne Gehäuselüfter müssen ebenfalls an die dafür vorgesehenen Stecker angeschlossen werden.

Hier endet auch schon die Feinarbeit. Wenn alles nach Anleitung verschraubt und versteckt ist, kann der erste Funktionstest gestartet werden. Zusammenfassend lässt sich sagen: Geduld lohnt sich! Sowohl bei der Recherche, als auch beim Zusammenbau. Flüchtigkeitsfehler sind hierbei fatal

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